Manchmal gewinnt man – und manchmal gewinnt man doppelt und dreifach

Am 25.-27.09.2026 fand bei uns am Pilsensee wieder die traditionelle Oktoberfestregatta statt. Neben Kielzugvögeln sind seit 2025 auch Open-Skiffs herzlich eingeladen. Dieses Jahr wurde die Regatta sogar ausgewählt, um die dreitägige GERMAN OPEN 2026 der Open-Skiff-Klasse auszurichten – eine große Freude für unseren kleinen Verein. Unter den 34 Anmeldungen aus ganz Deutschland und der Schweiz waren auch Artur, Alexander und Oscar. Die drei sind eigentlich erfahrene Opti-Segler beim ASC am Ammersee. Wie sie den Weg zu uns gefunden haben und was sie an diesem verlängerten Wochenende erlebt haben, erzählt Oscars Mama:

Als uns Rico, Vorstand der Open Skiff Klassenvereinigung, anrief, um uns zum Gewinn des Regattapakets für die Oktoberfestregatta am Pilsensee zu gratulieren, war die Freude groß. Schon lange wollten unsere Jungs Artur, Alexander und Oscar ihre Optis einmal gegen einen Open Skiff tauschen. Sportlicher und schneller sollte er sein, wendiger – und auch bei wenig Wind noch jede Menge Spaß machen.

Damit die drei nicht buchstäblich ins kalte Wasser geworfen wurden, organisierte Christoph vom Segelclub Pilsensee kurzerhand ein Training am Donnerstag vor der Regatta.

Dabei hatte er eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Auf einem Open Skiff kentert man anfangs wahrscheinlich etwas leichter, bis man sich an das Boot gewöhnt hat. Die gute: Das Wasser läuft von alleine wieder raus. Kein Pützen! Spätestens damit hatte der Open Skiff die Jungs auf seiner Seite.

Bei mäßigem Wind ging es gemeinsam mit Flo Schlupp aufs Wasser, der den drei Open-Skiff-Neulingen vorher einiges erklärte und ihnen beim Aufbau der Boote half. Die Jungs gewöhnten sich erstaunlich schnell an ihre neuen Gefährte und kamen nach rund zwei Stunden mit einem breiten Grinsen zurück an Land. Beste Voraussetzungen also für die anstehende Regatta.

1. Regattatag – Wiesn-Wetter, nur der Wind fehlte

Also hieß es: AP. Und damit begann das Alternativprogramm. Tischtennis, Balanceboard und jede Menge Zeit miteinander. Langweilig wurde trotzdem niemandem. Schon an diesem ersten Tag merkten wir, dass die Open-Skiff-Klasse eine kleine Gemeinschaft ist. Man kennt sich. Und wer neu dazukommt, lernt sich schnell kennen.

Bei schönstem Wiesn-Wetter und weiß-blauem bayerischen Himmel ging es am Freitag um 10 Uhr zur Steuerleutebesprechung. Gut 30 muntere Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren lauschten dem Wettfahrtleiter. Das Wetter war perfekt. Zumindest, wenn man nicht gerade segeln wollte. Denn Wind gab es zunächst keinen.

So verbrachten wir die Zeit auf und rund um das wunderschöne Gelände des Segelclubs. Wer Hunger bekam, wurde mit frisch zubereiteten Leberkässemmeln, Waffeln und Kuchen versorgt. So ließ sich die Flaute auch für die Eltern ziemlich gut aushalten.

Als wir den Tag seglerisch schon fast abgeschrieben hatten, zeigte sich tatsächlich noch ein kleines Lüftchen. Das Signal ertönte und plötzlich ging alles ganz schnell: Boote ins Wasser und auf zur ersten Wettfahrt. Leider blieb es bei dieser einen. Der Wind hatte offenbar nur kurz vorbeischauen wollen.

2. Regattatag – fast wie Urlaub

Der zweite Tag begann ziemlich genau so, wie der erste aufgehört hatte: viel Sonne, bayerischer Himmel – und null Wind. Also wieder AP. Einige nutzten die Gelegenheit für einen Ausflug nach Andechs. Wir „Einheimischen“ blieben am See und genossen die Ruhe und Idylle des Clubs – Vollverpflegung inklusive.

Die Tischtennisplatte glühte, die Kinder hatten ihren Spaß und irgendwann fühlte sich das Ganze fast mehr nach Urlaub als nach Regatta an. Nur der erhoffte Nachmittagswind wollte sich nicht blicken lassen. So endete auch der zweite Tag mit viel Sonne, viel Gemeinschaft, viel Spaß – aber ohne eine einzige weitere Wettfahrt.

3. Regattatag – Pump Foiling statt Warten

Auch für Sonntag sah die Windprognose nicht gerade vielversprechend aus. Doch einfach nur warten? Nicht am Pilsensee. Also stand kurzerhand Pump Foiling auf dem Programm. Roman aus der Schweiz – Vater, Segellehrer und Pump-Foil-Profi – erklärte sich bereit, den Kindern eine Probestunde zu geben. In Gruppen von jeweils vier ging es zunächst aufs Pump-Foil-Board und anschließend ziemlich schnell direkt ins Wasser. Denn was bei den Profis so leicht und lässig aussieht, ist es definitiv nicht. Spoiler: Auch nach einer halben Stunde nicht. Man braucht jede Menge Balance, das richtige Gefühl für das Board und offenbar eine gewisse Bereitschaft, sehr häufig baden zu gehen. Die Mädchen und Jungs hatten jedenfalls reichlich Gelegenheit dazu – und entsprechend viel Spaß.

Da es den gesamten Vormittag nach Flaute aussah, beschlossen die Lübecker schließlich, die Segel zu streichen und die lange Heimreise anzutreten. Und dann passierte natürlich genau das, womit keiner mehr gerechnet hatte. Noch während der letzten Pump-Foil-Runden kam ein Lüftchen auf.

Gegen 13 Uhr hieß es plötzlich: Auf zur Wettfahrt! Fingers crossed, dass der Wind diesmal etwas länger bleiben würde. Und tatsächlich: Mit Ach und Krach brachte die Wettfahrtleitung noch drei Wettfahrten zustande. Leider ohne die Lübecker, die zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Heimweg waren. Mehr war an diesem Wochenende einfach nicht drin.

Aber unter diesen Bedingungen insgesamt vier Wettfahrten aufs Wasser zu bekommen, verdient Respekt. Und es zeigt vielleicht auch die besondere Erfahrung, die man braucht, wenn man Regatten auf unseren bayerischen Seen organisiert: Man nimmt den Wind genau dann, wenn er kommt.

Am Ende haben wir mehr gewonnen als ein Regattapaket

Bei der Siegerehrung war die Stimmung entsprechend ausgelassen. Jeder Teilnehmer durfte einen wunderschönen Holzpokal mit nach Hause nehmen. Die Besten freuten sich zusätzlich über Glaspokale und Wanderpokale.

Für uns blieb am Ende aber noch etwas anderes. Aus einem gewonnenen Regattapaket wurde ein langes Wochenende am Pilsensee. Aus drei Opti-Seglern wurden drei begeisterte Open-Skiff-Neulinge. Und aus einer Regatta mit sehr wenig Wind wurde trotzdem ein Wochenende, über das wir noch lange sprechen werden.

Manchmal gewinnt man eben nicht nur einmal.
Manchmal gewinnt man doppelt und dreifach.

Was bleibt, ist die Erinnerung an ein wunderschönes Wochenende mit Urlaubsfeeling – und die erneute Erkenntnis, dass der Segelclub Pilsensee und die Open-Skiff-Gemeinschaft etwas Besonderes sind. Hier geht es nicht nur um Platzierungen und Wettfahrten. Hier geht es um Gemeinschaft, Fairness, darum, die Kinder für den Segelsport zu begeistern – und gemeinsam eine gute Zeit auf und neben dem Wasser zu haben.

Danke, dass wir daran teilhaben durften.

Alexandra, Mama von Oscar vom ASC am Ammersee

Danke dir, Alexandra, für deinen tollen Bericht! Falls sich jemand wundert, warum die Kielzugvögel in dem Bericht wenig Erwähnung finden: Die armen, tollen Segelboote und deren Segel-Teams hatten einfach zu wenig Wind und konnten keine einzige Wettfahrt bestreiten. Wir hoffen trotzdem, dass ihr das Wochenende am Pilsensee mit den vielen jungen Seglern genossen habt.

Und nun noch ein DANK an alle Helferinnen und Helfer, die Wettfahrtleitung und alle Organisatoren. Lieber Roman und Smilla: Danke für die großartigen Photos.

Christoph, Jugendwart vom SCP

Link zu Instagramm der Open-Skiff-Klasse:
https://www.instagram.com/reel/Dd3ojf8Kbk9/?stkn=ZGVwejJtd2JtOWNr

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